Hintergrund

Von den Wurzeln her anders

BUCHS ⋅ Markus Weishaupt untersuchte, weshalb Familienunternehmen erfolgreicher sind als Kapitalgesellschaften. Seine Ergebnisse präsentierte er in einem Referat.

von Heidy Beyeler (publiziert auf wundo.ch)

Rund 20 Unternehmer beziehungsweise Führungskräfte gaben sich am Montagabend ein Stelldichein, um zu erfahren, was am «anders sein» erfolgreicher Familienunternehmen sein könnte und was sie daraus lernen können. Referent Markus Weishaupt hat dazu vor knapp zwei Jahren die Ergebnisse seiner Untersuchungen im Buch «Radikal anders» zusammengefasst. Es muss vorausgeschickt werden, dass Markus Weishaupt vornehmlich grössere, international tätige Familienunternehmen in seinem Portfolio hat. Doch seine Erkenntnisse gelten ebenso für kleine und mittlere Unternehmen, wie der Referent betonte.

Zehn Faktoren, die zum Erfolg führen

Aufgrund einer Studie stellte Markus Weishaupt fest, dass die Mehrheit (63 Prozent) der Familienunternehmen strategische Projekte aus dem Cashflow finanziert und mit klassischen Bankkrediten ergänzt. Dadurch bleibe die Unabhängigkeit als Wert erhalten, sagt der Redner und zitiert: «Wir (die Familienunternehmen) wollen nur in jenem Ausmass wachsen, das wir selbst finanzieren können, und wir wollen von Banken möglichst unabhängig bleiben.» Unter den erfolgreichen Familienunternehmen gibt es etliche, die sich beispielsweise weigern ihre Produkte in Billigländern zu produzieren und eine Expansion in andere Länder mit eigenem Geld finanzieren. Sie verzichten auf einen Börsengang und suchen nicht nach Fusionspartnern.

In seinen Ausführungen rät Weishaupt den Familienunternehmen mittels Familienver­fassung wichtige Punkte zu regeln. Dabei erwähnte er beispielsweise den Kaffeeprodu­- zenten Luigi Lavazzo, der 1933 bei der Übergabe des Unternehmens an die zweite Generation eine Familienverfassung abfasste. Mittels Familienverfassung regeln die Mitglieder der Eigentümerfamilie, wie sie als Gesellschafter miteinander umzugehen haben. Es wird festgeschrieben, welche Rechte und Pflichten die Familienmitglieder haben und wie die Schnittstelle zum Unternehmen definiert ist. Den Erfolgen von Familienunternehmen läge das Prinzip des ehrbaren Kaufmanns zugrunde, die auf Wertschätzung, Handschlagqualität, Ehrlichkeit, Langfristigkeit, Leistung, Loyalität und Familie basierten, fasst Weishaupt zusammen. «Familienunternehmen reagieren – im Vergleich zu Kapitalgesellschaften – von den Wurzeln her ganz anders.»

Am Schluss des Referates, das gespickt war mit beispiel­haften Geschichten von bekannten Familienunternehmen, war auch die Nachfolgeregelung ein Thema. Kleineren und mittleren Unternehmen, die sich in erster oder zweiter Generation befinden und eine Nachfolgeregelung ins Haus steht, empfiehlt Markus Weishaupt, sich schon frühzeitig sein gut verständliches Buch «Radikal anders» zu Gemüte zu führen. Manchmal sei auch eine Beratung durch eine versierte Fachperson in Sachen Nachfolgeregelung hilfreich, damit die Weichen frühzeitig gestellt werden können.

Artikel von Heidy Beyeler, hier das Original lesen.